H a n s e 3 3 1 / F a i r w i n d 

 

Ostsee-Segler.de

Ein kurzer Bericht über einen Ostsee Charter Einhand Törn mit einer Hanse 331 im Oktober.    

 


Hanse 331 Fairwind
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(Alle Vorschaubilder lassen sich vergrößern.)

In der guten Hoffnung auf eine goldene Oktoberwoche habe ich eine Hanse 331 ab Heiligenhafen gechartert. Bereits zwei Wochen vor Törnbeginn muss ich  manchmal morgens beim Auto die Scheiben freikratzen. In diesen Momenten kommen dann schon mal kurz Zweifel auf, ob das Chartern im Oktober auf der Ostsee wirklich so eine gute Idee ist.
Nach telefonischer Absprache kann ich bereits einen Tag früher anreisen und schon am Freitag auf das Schiff. In aller Ruhe kann ich meine Sachen auf die Yacht bringen und schon mal die Ausrüstung laut Liste abhaken. Auch die Übergabe findet dann erfreulicherweise schon am Freitag Nachmittag statt.
Das Schiff  von Yacht-Charter-Ostsee ist für meinen Solotörn bestens ausgerüstet. Mit Selbstwendefock und Rollfock, Autopilot für die Pinne und Single-Line Reffsystem für das Gross, ist die Handhabung der Yacht auch für eine Person gut möglich. Darüber hinaus fehlt von der Dieselheizung, Warmwasser, scharfen Messern, bis hin zu Wäscheklammern wirklich nichts. Sogar Stopfen aus Weichholz in verschiedenen Grössen sind an Bord. Ob die wohl extra für meinen Törn aufgerüstet wurden, ich werde jedenfalls alles daran setzen, dass die Dinger nicht zum Einsatz kommen.

Ohne das ich mich vorher auf bestimmte Zielhäfen festlege, möchte ich auf diesem Törn einfach nur schöne Segelstunden haben.

Samstag, 01.10.05
Südwind der Stärke 6, in Böen auch mehr, dazu strömender Regen. Oktober halt, wer chartert denn auch schon um diese Zeit.
Ich laufe aus, Ziel offen. Der Wind steht quer und auflandig auf die Box, nach Lee habe ich nicht viel Raum nach dem Ablegen. Ich bitte den Skipper der Nachbaryacht meine Vorleine in Luv von seinem Schiff aus mitzuführen, während ich ablege. Die Festmacher in Lee sind bereits ab. Ich ziehe mich durch die Poller und halte solange den Bug vom Schiff am Leepoller ab, bis sich das Schiff mit dem Heck langsam um den Poller gedreht hat und im Wind steht. Dann schnell nach hinten und Schub nach vorne. Klappt gut. Die Leinen und Fender klariere ich im Hafenbereich. Schon kurz nach dem Auslaufen läuft die Yacht nur unter Fock 6 Knoten. Ich überlege kurz, ob ich mich nur unter Fock nach Langeland wehen lasse, entscheide mich dann aber an diesem ersten Tag für Burg, erst einmal etwas eingewöhnen heute, auch wenn das kurzzeitig einen Amwindkurs bedeutet.
Aus der Lübecker Bucht her hat sich eine beachtliche Welle aufgebaut, so viel Eingewöhnung wär nun auch nicht nötig gewesen, aber bis zur Schlüsseltonne ist es nicht mehr weit, dann kann ich abfallen. Die Ansteuerung in der schmalen Fahrrinne fahre ich nur unter Motor. Das ist jedoch ein Fehler. Wenn nun der Motor irgendwie Störungen hätte, dann  muss ganz schnell die Fock ein Stück raus, um sicher in der Rinne zu bleiben. Beim nächsten mal werde ich bei diesen Bedingungen die Fock stehen lassen. Ich habe Glück und finde eine Box, auf die der Wind leicht schräg von vorne steht. Das Anlegen klappt, die Luvleinen sind belegt. Für heute bin ich froh in Burg zu liegen und der Wetterbericht verspricht ja Besserung. Ich beobachte das Treiben im Hafen, wo bereits eine Yacht nach der anderen aus dem Wasser gehohlt wird.


Sonntag, 02.10.05
Der Seewetterbericht auf NDR4 kündigt für Belte und Sund West 2-3 an. Die weiteren Aussichten West-Nord-West 3-4. Ich entscheide mich nach Bagenkop oder Marstal zu segeln und nicht weiter Richtung Osten. Von Westen  komme ich gegen Törnende, falls das Wetter ungemütlich wird, grundsätzlich besser wieder nach Heiligenhafen, denke ich jedenfalls. Also Leinen los um 09:00 Uhr. Bei Westwind 2-3 und zunehmenden Sonnenschein ein herrlicher Segeltag. Die Seekarte ist in meiner eigenen Folie am Niedergang befestigt. Zur Eintragung einer Position verwende ich einen wasserfesten Edding. Bei sichtigem Wetter kann man auch gut ohne das GPS auskommen. Nach ein paar Stunden kommt an Backbord eine Tonne in Sicht, genau so eine ist hier auf meiner Seekarte eingezeichnet. Meine Vermutung bestätigt sich, ich bin immer noch auf der Ostsee. Gegen 18:00 Uhr laufe ich den Hafen von Bagenkop an. Hier liegen bereits, wohl auch wegen dem langen Wochenende, etwa 20 deutsche Yachten.

Bagenkop Bagenkop 
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Montag, 03.10.05
Sonnenaufgang und gutes Wetter ganz wie im Sommer, nicht einmal Frühdunst. Um 10:00 Uhr gehts los. Hier im Hafenbecken ist genug Platz um in aller Ruhe nach dem Ablegen die Leinen und die Fender zu verstauen, bevor es dann raus geht. Mein grober Kurs geht rüber auf die deutsche Küste. Der Wind weht mit W-N-W 1-2. Ab und zu ein paar leichte Böen. Das reicht zum Segeln für diese Hanse Yacht mit etwa 2-3 Knoten. Ich habe es nicht eilig. Außerdem ist eine super Sicht auf die Insel Aero und bestes Wetter. Hab nicht mal Segelklamotten an. Die Selbststeueranlage hält viel besser Kurs als ich, dann darf sie auch steuern. So habe ich die Hände frei. Das Schiff liegt irgendwie so sehr auf der Steubordseite, obwohl von dort der Wind einfällt. Also muss ich mich nun mal an die auf der Steuerbordseite verstauten Süssigkeitenvorräte machen, so kann ich unmöglich in deutsche Hoheitsgewässer einlaufen. Nachmittags fällt die Logge dann unter einen Knoten, so war das ja nun auch nicht gemeint, mit dem nicht eilig haben. Auf die Schlei habe ich mich mittlerweile festgelegt und lasse nun den Motor mit 1500 U/Min mitlaufen. Der Volvo Diesel gibt einen derart zufriedenen Klang von sich, wie dies wohl nur Motoren tun, die auf einer Segelyacht ihre Dienste leisten dürfen. Bis nach Maasholm kommt man zwar auch ganz gut per Richtfeuer, ich würde aber gern bis Kappeln und auch noch bei Tageslicht anlegen. Von See kommend vor der Brücke gibt es in Kappeln eine neue Steganlage mit Boxen. Ich finde hier die bisher besten Bedingungen zum Anlegen vor, kein Wind, keine Strömung, einfach ideal. Aber wie das halt so ist, diesmal klappt es nicht so gut. Ich stolpere über Deck, die Heckleine verfehlt den Poller und verhakt sich dann auch noch irgendwo unter dem Rumpf. In Gedanken sehe ich mich schon mit der Taucherbrille meiner Tochter unter dem Schiff. Nun haben die Erbauer dieser Steganlage mein Anlanden aber wohl geahnt, denn es gibt von jedem Poller eine straffe Sorgleine zum Steg, so dass alles weitere dann doch noch klappt, ohne das die Stadt Kappeln einen Schaden davonträgt. Auch die Taucherbrille kommt nicht zum Einsatz, die Heckleine lässt sich nach einigen Versuchen ohne einen Tauchgang wieder einholen. Gegen 19:00 Uhr ist dann alles klariert.

KappelnKappeln
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Dienstag, 04.10.05
Um 11:00 Uhr liegt Schleimünde achteraus. Es weht es aus Nord-Ost mit 3 Windstärken und das Barometer steigt immer weiter. Nach Kiel soll es gehen.
Ich segele lieber etwas weiter auf See, als direkt vor der Küste lang. Das bedeutet eine Wende, denn heute gibts Dienst nach Vorschrift. Durch das Sperrgebiet südöstlich von Schleimünde segele ich nicht durch. Eine Wende reicht jedoch, danach dann Segeln auf einem Bug bis in die Kieler Förde. Um 18:30 Uhr habe ich im Hafen von Laboe an einem Schwimmsteg festgemacht.


Kieler FördeLaboe
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Mittwoch, 05.10.05
Der Seewetterbericht um 09:45 über Funk kündigt Ost-Süd-Ost, Stärke 3-4, später rechtsdrehend an. Die weiteren Aussichten ebenfalls Ost. Da ich mir vorgenommen hatte möglichst viel zu Segeln, bietet sich erneut Dänemark an bei dieser Vorhersage. Von dort oben lässt es sich dann bei Ostwind auch besser wieder nach Fehmarn segeln. Leinen los um 10:30 Uhr. Ein Am-Wind Kurs bei zur Zeit 4 Windstärken. Um 14:00 Uhr habe ich kurzzeitig Windstärke 5-6, eine Hanse 301 hätte ich längst gerefft, ich wunder mich, wie stabil und ohne viel Ruderdruck diese Yacht läuft. Gegen Abend flaut der Wind dann wieder ab auf  2-3, die angekündigte Rechtsdrehung hat er aber vergessen. Also segel ich ein paar Wenden und laufe kurz vor Sonnenuntergang noch einmal Bagenkop an. Es stört mich nicht im geringsten ein zweites mal hier zu sein, dafür hatte ich einen super Segeltag. Die meisten Häfen in diesem Revier kenne ich und abends ist es sowieso um 19:00 bereits dunkel.

 

südlich Langeland


Donnerstag. 06.10.05
Bis jetzt lief wirklich alles gut, und da ich allein bin, geht es heute mit einem halben Tag in Reserve wieder Richtung Fehmarn. Um 09:30 Uhr verlasse ich den Hafen. Etwas diesig, Wind aus Ost-Süd-Ost mit Stärke 3. Von Aero nichts zu sehen, ob es die Insel wohl noch gibt? Den genauen Kartenkurs von 150 Grad kann ich nicht halten, egal. Der Wind legt im Laufe des Tages mal zu auf Stärke 4-5 und mal schläft er fast ein. Um 16:30 bin ich bis südlich der Ansteuerungstonne abgefallen. Noch mal nach Orth rein oder gleich nach Heiligenhafen, ich bin unentschlossen. Die Entscheidung fällt auf Heiligenhafen und ich spare mir heute das Liegegeld. Ganz ehrlich, zum Aufkreuzen habe ich nun keine Lust mehr, vielmehr möchte ich heute bei dem schönen Wetter noch ein wenig den Abend im Hafen genießen. Ein paar Meilen motore ich gegenan und segel dann das letzte Stück nur unter Fock in die Fahrrinne des Hafens. Auch heute war es wieder ein Segeltag vom allerbesten. Im Hafenbereich bereite die Yacht zum Anlegen vor. Auf die Box steht Wind von schräg achtern, und nicht zu wenig. Ausgekuppelt mit Restfahrt laufe ich etwas schräg in die Box an den Luv Poller. Die Achter - Luv - Leine kann ich auf Höhe des Mastes bereits am Poller belegen, dann muss ich in der Box voll rückwärts einkuppeln um nicht durch den Steg zu fahren. Nun schnell nach vorne, auf halbem Weg auf der Leeseite mit dem Fuß die Fender rausstupsen und dann vorne am Steg die Luvleine belegen . Diesmal klappt alles, ``zum Anlegen braucht man halt Wind``. Das Belegen der restlichen Festmacher erfogt dann in aller Ruhe. Bis das Schiff aufgeräumt ist, ist es allerdings schon wieder fast dunkel.


Am Wind
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Freitag, 07.10.05
Hier im geschützten Hafen pfeift es ordentlich. Die gekreuzten Heckleinen sind voll auf Spannung. Da ich eine super Woche mit vielen Segelstunden und wenig Motorstunden hatte, ist mein Bedürfnis noch einmal für ein paar Stunden auszulaufen nicht sehr gross, weil ich die Yacht bis 17:00 Uhr eh zurückgeben muss.
In aller Ruhe bereite ich so langsam alles für meine Abreise vor. Die Rückgabe der Yacht wird dann vom Stützpunktleiter Herrn Englert zügig und proffesionell durchgeführt. Die Kaution ist zwei Tage später wieder auf meinem Konto.

Es war eine Segelwoche im Oktober, wie sie rein vom Segelwetter im Sommer nicht hätte besser sein können. Kein Nebel, kein Sturm, kein Hafentag, meist 1-6  Windstärken und täglich Sonnenschein.
Die Hanse 331 segelt flott und war, obwohl sie nicht zu den jüngsten Charteryachten der Flotte gehört, technisch und optisch in gutem Zustand.

Für mich war es der zweite Solotörn. Ich versuche vor dem Auslaufen alles so vorzubereiten, um möglichst nicht unter Deck zu müssen, dazu packe ich stets meinen Rucksack mit allen wichtigen Dingen, z.B. Proviant, Getränke, Handtuch, Nebeltröte mit Ersatzdose, Hafenhandbuch und so weiter. Diesen binde ich dann im Niedergang auf der ersten Stufe seitlich fest, damit alles stets erreichbar ist. (Ich halte es trotzdem für vertretbar, wenn bei guter Sicht und einem stabilen sicherem Kurs am Horizont kein Schiff zu sehen ist, selbst auf der Ostsee, auch mal für zwei Minuten unter Deck zu gehen.) Die Selbststeueranlage für die Pinne liegt immer bereit. Auf der Seekarte, die in Folie an Deck befestigt ist,  habe ich meist mehrere Kurslinien und Entfernungen von verschiedenen Positionen zu unterschiedlichen Häfen eingetragen, um im Fall der Fälle ohne Rechnen und Dreieck einen anderen Kurs zu haben. Reffen ist vom Cockpit möglich. Im Bereich Belte-Sund und westliche Ostsee gibt es viele Häfen, so das meist auch immer ein Ausweichhafen in Lee zu Verfügung steht, sollte das Wetter extrem ungemütlich werden. Das Vorbereiten der Leinen und Fender zum Anlegen erledige ich fast immer im Hafen, außer ich kenne den Hafen nicht, oder er ist sehr eng. Das Bergen des Gross ist unter normalen Bedingungen die einzige Situation, in der ich bei dieser Hanse Yacht im Seegang auf See mal kurz das Cockpit verlassen muss, um kurz das Segel mit ein - zwei Bändsel um den Baum zu binden. Das richtige Auftuchen erfolgt dann immer erst im Hafen. Von der Seekrankheit bin ich, abgesehen von leichter Übelkeit, bisher verschont geblieben.

Weitere Törnfotos im Flash Format

 


Volker Mölling, 23.10.05